Titel:
Proof-of-Concept: World Models für ereignisdiskrete Produktionssimulation (optional mit Quantum-Computing-Ansatz)
Art der Arbeit:
Studienarbeit / Projektarbeit / Masterarbeit (nach Absprache)
Hintergrund und Motivation
Ereignisdiskrete Simulation (DES) ist ein etabliertes Werkzeug zur Planung und Optimierung von Produktionssystemen, stößt aber bei umfangreichen Szenariostudien und Optimierungsaufgaben an Grenzen hinsichtlich Rechenzeit und Automatisierung. World Models aus dem Bereich des modelbasierten Reinforcement Learning ermöglichen es, dynamische Systeme als lernbasierte Surrogate abzubilden und damit Entscheidungen und Policies in einem gelernten Modell statt in der vollständigen Simulation zu optimieren. Im Rahmen dieser Arbeit soll ein Proof-of-Concept erarbeitet werden, wie World Models für eine Produktions‑DES eingesetzt werden können, welche Potenziale und Anwendungsbereiche sich daraus ableiten lassen und inwiefern sich Ansätze zur quantenbasierten Parallelisierung perspektivisch nutzen lassen.
Ziel der Arbeit
Ziel der Arbeit ist die Konzeption und Umsetzung eines Proof-of-Concept, bei dem ein World Model als Surrogate für eine ereignisdiskrete Produktionssimulation dient und zur schnellen Bewertung von Steuerungs‑ bzw. Scheduling‑Strategien eingesetzt werden kann. Darüber hinaus sollen die Potenziale (z.B. Rechenzeiteinsparung, verbesserte Policy-Optimierung, neue Analyse‑Workflows) und konkrete Anwendungsbereiche in der Produktionsplanung systematisch herausgearbeitet und bewertet werden. Optional soll untersucht werden, welche Teilaspekte (z.B. Trajektoriensuche, Policy-Evaluation) prinzipiell durch Quantum-Computing‑Ansätze parallelisiert werden könnten und wie ein entsprechendes Forschungs-Setup aussehen würde.
Aufgabenstellung (Arbeitspakete)
1. Literaturrecherche
- Recherche zu World Models und modelbasiertem Reinforcement Learning (Dreamer, latent World Models) mit Fokus auf Produktions‑ und Simulationsanwendungen.
- Recherche zu bestehenden Ansätzen für Surrogate‑Modelle in der Simulation sowie ersten Studien zu Quantum Reinforcement Learning und quantenbasierter Parallelisierung von Trajektorien.
- Systematische Sichtung von Veröffentlichungen zu Potenzialen und Anwendungsfeldern von KI‑basierten Surrogates und World Models in Digitalen Zwillingen und Produktionssystemen.
2. Konzeption eines geeigneten Demonstrators
- Auswahl und Konzeption eines geeigneten DES‑Demonstrators für ein Produktionssystem. Im Best Case wird Siemens Plant Simulation verwendet; alternativ kommen SimPy (Python) oder AnyLogic in Frage.
- Festlegung einer kompakten Zustands‑ und Aktionsrepräsentation (State-Vector aus Queue-Längen, Maschinenzuständen, WIP etc.; Aktionen z.B. Dispatching-/Prioritätsregeln).
3. Implementierung eines World Models für DES
- Erstellung einer Datengrundlage durch Simulationstrajektorien aus dem gewählten DES‑Tool (bevorzugt Plant Simulation, alternativ SimPy oder AnyLogic).
- Implementierung oder Adaption eines World-Model-Ansatzes (z.B. DreamerV3‑ähnliche Architektur oder vereinfachtes latent dynamisches Modell) in Python.
- Training und Validierung des World Models als Surrogate: Vergleich von simulierten Trajektorien und relevanten KPIs im World Model gegenüber der ursprünglichen DES.
4. Proof-of-Concept: Einsatz des World Models und Potenzialanalyse
- Nutzung des World Models zur schnellen Bewertung von Steuerungs‑ oder Scheduling‑Strategien (z.B. durch Rollouts im gelernten Modell oder einfaches Planning).
- Quantitative und qualitative Analyse von Rechenzeit, Genauigkeit und Generalisierungsfähigkeit über mehrere Szenarien/Varianten des Produktionssystems.
- Herausarbeitung der Potenziale und Grenzen des Ansatzes für typische Anwendungsbereiche (z.B. Layout‑Variantenvergleich, Schicht- und Auftragsplanung, Engpass‑Management) und Ableitung von Handlungsempfehlungen.
5. Optionale Vertiefung: Quantum-Computing-Perspektive
- Sichtung relevanter Quantum-RL‑Literatur und Identifikation von Subproblemen (z.B. Trajektoriensuche oder Policy-Evaluation), die prinzipiell für eine quantenbasierte Parallelisierung geeignet sind.
- Konzeption eines skizzenhaften PoC‑Setups (z.B. auf Basis vorhandener Quantum‑Frameworks und kleiner Beispielumgebungen), das die Einbindung von Quantum-Computing in World-Model-basierte RL‑Ansätze demonstriert.
6. Dokumentation und Präsentation
- Systematische Dokumentation der Methodik, Ergebnisse, Potenziale und Grenzen des Ansatzes.
- Abschlusspräsentation der Arbeitsergebnisse am Lehrstuhl.
Voraussetzungen
- Laufendes Studium in Maschinenbau, Mechatronik, Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik, Data Science oder einem vergleichbaren Studiengang.
- Grundkenntnisse in Python und Interesse an Maschinellem Lernen / Reinforcement Learning.
- Erste Erfahrungen mit Simulation (z.B. DES, agentenbasierte Modelle oder eigene Python‑Simulationen); Erfahrung mit Plant Simulation, SimPy oder AnyLogic ist von Vorteil.
- Selbstständige, strukturierte Arbeitsweise und Freude an forschungsnahen Fragestellungen.
Rahmenbedingungen
- Beginn: Nach Absprache, ab sofort möglich.
- Dauer: Entsprechend Prüfungsordnung (Studienarbeit/Projektarbeit/Masterarbeit).
- Die Arbeit ist in aktuelle Forschungsaktivitäten im Bereich Digitaler Zwilling, Simulation und KI am Lehrstuhl FAPS eingebunden.
Betreuung und Kontakt
Ansprechpartner:
Martin Barth, M.Eng.
Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik (FAPS), FAU Erlangen-Nürnberg
E-Mail: martin.barth@faps.fau.de
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung mit kurzem Motivationsschreiben, Lebenslauf und aktuellem Notenspiegel per E‑Mail an martin.barth@faps.fau.de
Kategorien:
Forschungsbereich:
Engineering-SystemeArt der Arbeit:
Masterarbeit, ProjektarbeitStudiengang:
Informatik, IPEM, Maschinenbau, Mechatronik, Medizintechnik, WirtschaftsingenieurwesenTechnologiefeld:
MedizintechnikKontakt:
Martin Barth, M.Eng.
Department Maschinenbau (MB)
Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik (FAPS, Prof. Franke)
- Telefon: +491721843637
- E-Mail: martin.barth@faps.fau.de

