Mission Kernfusion Bayern
Kernfusion erreicht weltweit eine Phase, in der Forschungsergebnisse systematisch in Technologieentwicklung und Industrialisierung überführt werden müssen. Die physikalischen Grundlagen für selbsterhaltende Fusionsplasmen sind in internationalen Programmen breit untersucht. Deutschland verfügt hierfür über eine starke Ausgangsbasis, insbesondere durch langjährige Plasmaphysik Expertise und Großforschungsanlagen wie Wendelstein 7X. Parallel beschleunigt der Eintritt privat finanzierter Fusionsunternehmen den internationalen Wettbewerb und erhöht den Umsetzungsdruck.
Bayern schafft mit Initiativen wie Mission Kernfusion sowie der engen Verzahnung von universitärer Forschung, Industrie und Start ups gezielt Strukturen für Technologietransfer und Transformation. Die FAU bündelt Kompetenzen in Fertigungssystematik, Werkstoffentwicklung, Automatisierung, Energiesystemtechnik und digitaler Fabrikplanung. Siemens Energy und Framatome ergänzen dies durch Erfahrung in Energieumwandlung, nuklearer Sicherheit, Großanlagenengineering und Genehmigungsprozessen.
Damit entsteht ein leistungsfähiges Ökosystem, das wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Umsetzung verbindet. Der Schwerpunkt verschiebt sich von der reinen Machbarkeitsfrage hin zur Entwicklung eines zuverlässigen, wirtschaftlichen und genehmigungsfähigen Fusionskraftwerks.

Abbildung 1: Die komplexen Magnetspulen der Stellarator Fusionsreaktoren sind bewickelt mit empfindlichen Supraleitern unter Einhaltung enger Toleranzen.
Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit
Die physikalische Machbarkeit ist weitgehend nachgewiesen, doch zentrale ingenieurtechnische Herausforderungen sind noch ungelöst. Für ein industriell funktionierendes Fusionskraftwerk braucht es belastbare Lösungen in u.A. folgenden Bereichen:
- extreme Wärmeflüsse und Transienten an Divertor und First Wall bei gleichzeitigem Neutronenbeschuss, inklusive zuverlässiger Kühlung
- neutronenfeste Werkstoffe und belastbare Lebensdauer Nachweise für Struktur und Funktionsmaterialien
- Tritium Brutblanket und geschlossener Brennstoffkreislauf mit sicherer Gewinnung, Bilanzierung und Handhabung
- supraleitende Hochfeldmagnete (Abbildung 1) mit Quenchschutz, Kryotechnik, Montage und reproduzierbarer Qualitätssicherung
- digitale, rückführbare Fabrikkonzepte und qualitätssichere Produktionsketten für Pilot- und spätere Serienfertigung
- sichere, effiziente Energieumwandlung und Netzintegration
- skalierbare Laser- und Pellet-Technologien im Fall trägheitsbasierter Konzepte
Parallel verkürzt sich der Zeitrahmen zur Realisierung eines ersten Kraftwerks, während staatliche Programme und private Initiativen häufig noch nicht ausreichend verzahnt sind. Zugleich steigt der ökonomische Druck durch weiter sinkende Kosten erneuerbarer Energien und Speicher. Der kritische Engpass liegt im Übergang von Forschung zu integrierter Umsetzung in Engineering, Fertigung und Betrieb. Ohne diese Durchgängigkeit drohen Wissensbrüche, Doppelarbeit und Verzögerungen auf dem Weg zum Kraftwerksziel.
Fusion Factory Bavaria
Die Fusion Factory Bavaria schließt die Lücke zwischen Forschung und industrieller Umsetzung, indem sie wissenschaftliche Ergebnisse in skalierbare Technologien überführt und zugleich Industrieanforderungen, Sicherheit, Betrieb und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Sie fungiert als offenes Innovationsökosystem, in dem Forschungseinrichtungen, Industrie, Start-ups und öffentliche Partner gemeinsam Schlüsseltechnologien entwickeln, etwa automatisierte Magnetfertigung, neue Hochleistungswerkstoffe, robotergestützte Montage und Inspektionsprozesse, digitale Zwillinge und echtzeitfähige Regelungssysteme.
Das Kernprinzip „vom Kraftwerk her denken“: Betriebsparameter, Zulassung, Wartung und Fertigung werden von Beginn an in das Design integriert. Dadurch entsteht ein koevolutionärer Entwicklungsprozess zwischen Physik und Technik, der spätere Anpassungszyklen reduziert und den Weg zur industriellen Reife beschleunigt.
Die Fusion Factory Bavaria soll am FAU-Standort AufAEG in Nürnberg aufgebaut werden. Die dortige Forschungs- und Industrieumgebung ermöglicht direkte Verzahnung von Laborinfrastruktur, Pilotfertigung und regionalen Technologieträgern.
Das Modell basiert auf einer langfristigen öffentlich-privaten Partnerschaft mit Forschungsbeirat, gemeinsamer Infrastruktur und Verbundprojekten. Eine Anschubfinanzierung des Freistaats Bayern und Beiträge der Partner sichern den Start; ein spezialisierter Studiengang
unterstützt den Aufbau qualifizierten Personals.
Damit entsteht ein zentraler Standort für Transfer, Industrialisierung und technische Exzellenz. Fusion wird konsequent als integriertes Kraftwerks- und Produktionssystem gedacht, mit dem Ziel, die Entwicklung eines ersten industriell nutzbaren Fusionskraftwerks in Deutschland
beschleunigt und realistisch umzusetzen.
Heute und mit Ihrer Unterstützung
Aktuell sammeln wir Letters of Intent LOIs, um das Markt und Partnerinteresse am Vorhaben nachvollziehbar zu dokumentieren und potenzielle Industriepartner sowie Investoren gezielt anzusprechen. Die LOIs sind zudem eine wichtige Grundlage für die nächsten Abstimmungen und Verhandlungen mit Förderern und weiteren Stakeholdern. Wir freuen uns über Ihren LOI.
Weiterführende Links
- BMFTR – Aktionsplan für das weltweit erste Fusionskraftwerk in Deutschland
- BayStMWK – Mission Kernfusion
Kontakt:
Valentin Henrich, M.Sc.
FAPS - Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Elektromotorenproduktion
- Telefon: +491732162033
- E-Mail: valentin.henrich@faps.fau.de

